Ein Freitag, kurz nach acht, im Bahnhofsviertel einer deutschen Großstadt. Cafés schließen, Menschen warten auf ihre Bahn. Dann rennt ein Mann, mehrere Polizisten hinterher. Sie umzingeln ihn auf offener Straße, er geht zu Boden, wird festgenommen. Vor den Augen von Familien, Kindern, Pendlern.
Kein abgelegener Ort. Keine Nacht. Eine ganz gewöhnliche Stunde an einem ganz gewöhnlichen Ort. Und es passiert immer öfter.
Die Zahlen, an denen niemand vorbeikommt
Ich bin vorsichtig damit, ein Bauchgefühl in einen Text zu kippen – gerade in einem Klima, in dem solche Beobachtungen schnell als „Panikmache“ abgetan werden. Deshalb nur Zahlen, die offiziell und nachprüfbar sind.
- Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2024 des Bundeskriminalamts weist 217.277 Fälle von Gewaltkriminalität aus – der höchste Stand seit 2007.
- Die Sexualdelikte sind um 9,3 Prozent gestiegen, die Zahl tatverdächtiger Kinder um 11,3 Prozent.
- Die Bundespolizei hat 2024 an Bahnhöfen und in Zügen 27.160 Gewalttaten registriert. Das sind im Schnitt 74 Gewalttaten pro Tag – allein im Bereich Bahn.
Ich erzähle dir das nicht, um Angst zu machen. Ich erzähle es, weil über diese Entwicklung erstaunlich leise gesprochen wird – und weil ich oft genug erlebt habe, dass derjenige, der die Zahlen ausspricht, schneller abgestempelt wird als der, der sie verschweigt. Ich bin der Bote. Nicht der Verursacher.
Die eigentliche Krise ist eine andere
Was viele übersehen, ist nicht der Anstieg der Taten allein. Beunruhigender ist etwas anderes: Die Handlungsfähigkeit der Menschen nimmt parallel ab. Genau in dem Moment, in dem mehr passiert, können immer weniger Menschen darauf reagieren.
Frühzeitig kommunizieren. Deeskalieren. Hilfe holen. Hilfe anbieten. Einen Raum lesen, bevor er kippt. Die Stimme heben, wenn es nötig wird. Den Körper aufrichten, wenn man bedrängt wird. Das alles waren über Jahrzehnte schlicht Grundfähigkeiten erwachsener Menschen. Heute muss man sie wieder trainieren – und das ist die gute Nachricht: Man kann sie trainieren.
Drei Fähigkeiten, die du diese Woche üben kannst
- Den Raum lesen. Beim Betreten eines Ortes drei Sekunden: Wo sind die Ausgänge, wer verhält sich auffällig, wo stehe ich? Die Anleitung dazu: Der 3×3-Scan.
- Die Stimme einsetzen. Ein lautes, klares „Stopp!“ ist für die meisten Menschen die größte Hürde – und im Ernstfall das wirksamste Werkzeug. Übe es, bis es dir nicht mehr peinlich ist.
- Einen Plan haben. Wer vorher denkt, handelt im Ernstfall. Mein Notfallplan in drei Schritten dauert fünf Minuten.
Wie du in einer Konfrontation ruhig bleibst, liest du hier: Deeskalation – Ruhe bewahren. Das komplette System für Selbstschutz ohne Kampfsport ist das Golden Safety System.
Dieser Beitrag ist ein Auszug aus meinem Sonntagsbrief. Die ganze Geschichte – und jede Woche eine neue – bekommen nur die Leserinnen und Leser des Newsletters.
Nicht die Gewalt ist das Problem. Die Hilflosigkeit ist es.
Jeden Sonntag ein Brief über Sicherheit, Klarheit und mentale Stärke – mit echten Geschichten, geprüften Zahlen und einem Impuls, den du sofort umsetzt. Gratis dazu: der Safety-Guide „Die 5 Säulen echter Sicherheit“.

