Sandra, Anfang vierzig, zum ersten Mal in unserem Training. Die Übung ist simpel: Einer tritt langsam einen Schritt auf den anderen zu, der andere reagiert, sobald es sich nicht mehr richtig anfühlt.

Sandra lächelt. Ihr Übungspartner macht einen weiteren Schritt. Sie lächelt wieder, etwas angespannter, und weicht schräg zur Seite aus – nicht zurück. Erst als ich die Übung abbreche, sieht sie, was sie eigentlich getan hat. Und sagt den Satz, den ich in dieser Übung mit Abstand am häufigsten höre:

„Ich wollte nicht unhöflich sein.“

Was viele Frauen nie erklärt bekommen

Öffentlich spricht kaum jemand darüber, deshalb sage ich es hier klar: Sehr viele Männer lesen übermäßige Freundlichkeit nicht als Vorsicht, sondern als Zustimmung. Ein Teilnehmer hat mir das einmal ganz ruhig erklärt, ohne jeden Vorwurf: „Wenn eine Frau lächelt und ausweicht, denke ich, sie ist schüchtern, aber offen. Wenn sie klar sagt, was sie will, weiß ich, woran ich bin.“

Das war keine Rechtfertigung. Es war eine nüchterne Beschreibung, wie sein Kopf Signale verarbeitet – und einer der Momente, in denen ich endgültig wusste, warum mein Buch fehlt.

Ein Satz, der mich seit Jahren nicht loslässt

Ich habe einmal einen Sicherheitsberater interviewt, der mit Behörden zum Thema Täterverhalten arbeitet. Er hat mir den Satz eines Täters weitergegeben, der in meiner Arbeit eine ganze Kette von Konsequenzen ausgelöst hat:

„Ich suche mir nicht aus, wen ich anspreche. Das entscheide nicht ich. Das entscheidet das Gegenüber.“

Dieser Satz macht keine einzige Frau verantwortlich für das, was ihr zustößt. Die Verantwortung liegt immer und ausnahmslos beim Täter. Aber er beschreibt etwas, das du kennen solltest, wenn du Spielräume haben willst: Täter lesen. Und was sie lesen, kannst du zu einem großen Teil selbst bestimmen.

Drei Dinge, die du ab heute anders machen kannst

  • Ein klares Nein ist nicht unhöflich. Es ist eine Information. Wer es als Angriff auffasst, zeigt dir damit mehr über sich als über dich.
  • Abstand halten statt schräg ausweichen. Ein Schritt zurück, Hände sichtbar, Blick gerade. Dein Körper spricht, bevor du ein Wort sagst – lass ihn Klarheit sprechen.
  • Präsenz ist dein stiller Bodyguard. Aufrechte Haltung, ruhiger Atem, wacher Blick. Du brauchst keinen einzigen Handgriff, um nicht wie ein leichtes Ziel zu wirken.

Wie du Gefahren früh erkennst, habe ich hier beschrieben: Gefahren früh erkennen – der 3×3-Scan. Und was deine Körpersprache über dich verrät: Körpersprache als Schutz.

Genau um diese Prinzipien geht es in meinem neuen Buch „Die Kraft der Löwin – Selbstschutz beginnt im Kopf“ (Goldegg Verlag, seit 2. November 2026 im Handel). Wer lieber direkt trainieren will: Selbstverteidigungskurs für Frauen in Würzburg.

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus meinem Sonntagsbrief. Die ganze Geschichte – und jede Woche eine neue – bekommen nur die Leserinnen und Leser des Newsletters.

Freundlichkeit schützt dich nicht. Klarheit schon.

Jeden Sonntag schreibe ich einen Brief wie diesen: eine wahre Geschichte, eine Lektion, ein Impuls, den du sofort umsetzt. Dazu gratis mein Safety-Guide „Die 5 Säulen echter Sicherheit“.


×